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EIN GANZ SPEZIELLER WALD
Der Lennebergwald unterscheidet sich sehr stark von den meisten anderen Wäldern in Deutschland. Er befindet sich auf einem Dünengebiet aus dem Pleistozän. Direkt benachbart zum Lennebergwald befindet sich das Naturschutzgebiet "Mainzer Sand", das als eines der wertvollsten Naturschutzgebiete Europas gilt. Der Boden Der Lennebergwaldbesteht hauptsächlich aus reinem Sand, der nur wenig Wasser und Nährstoffe speichern kann. Dies und das milde und trockene Klima des Oberrheintales sind Ursache für die Steppenvegetation, die von einer großen Zahl seltener und z. T. vom Aussterben bedrohter kontinentaler und submeditteraner Pflanzen und Tiere geprägt ist. Aufgrund der hohen Temperaturen und der Trockenheit des Gebietes kann der häufigste Waldtyp, der Buchenmischwald hier nicht wachsen. Der Lennebergwald ist geprägt von Kiefern- und Eichenwäldern. In früheren Zeiten hat der Mensch die Ausbreitung der Kiefer gefördert, weil er Schafen und Ziegen im Wald weiden ließ, die bevorzugt Laubbäume abfraßen. Außerdem wurden Kiefern gepflanzt, da sie eine der wenigen Baumarten sind, die auf den trockenen, sandigen Böden gedeihen können. Die verbliebenen Laubbäume wurden bevorzugt als Feuerholz eingeschlagen, was die Kiefer weiter förderte. Diese Einflüsse des Menschen waren neben Boden und Klima eine weitere wichtige Voraussetzung für die speziellen Bedingungen des heutigen Waldes. Der lichte Schirm aus Kiefernkronen erlaubt einer großen Vielzahl von Trockenrasen- Pflanzen das Wachstum unter den Bäumen. Viele von ihnen stehen auf der "Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten", weil die speziellen Bedingungen, die sie zum Leben brauchen, in Deutschland immer stärker zurückgehen bzw. zerstört werden. Nicht nur die vielfältige Pflanzenwelt zeigt den besonderen Wert des Gebietes, auch viele Tierarten, die häufig eine Lebensgemeinschaft mit bestimmten Pflanzen bilden, sind vom Aussterben bedroht. Wegen dieser Rolle als Rückzugsgebiet für bedrohte Arten ist der Lennebergwald vom Land Rheinland-Pfalz zum Naturschutzgebiet erklärt worden.

ERHOLUNG im Lennebergwald
Der Lennebergwald ist mit nur 700 Hektar Größe dennoch der größte Wald in dem intensiv landwirtschaftlich genutzten Rheinhessen. Er ist das beliebteste Naherholungsgebiet für die Bevölkerung von Mainz und Umgebung und wird von rund einer Million Menschen im Jahr besucht, begleitet von fast 90 Tausend Hunden. Damit ist der Lennebergwald einer der am meisten Wälder in Deutschland. Das empfindliche Ökosystem ist damit stark belastet. Teile des Waldes sind von einem Netz kleiner Pfade durchzogen, die eine ungehinderte Entwicklung von Pflanzen und Tieren verhindern Abfälle, Luftverschmutzung (Der Wald ist von Autobahnen durchzogen) und Hundekot verändern die Zusammensetzung der Pflanzenwelt. Untersuchungen zu den zerstörerischen Folgen der Zivilisation und zu Möglichkeiten, diese einzudämmen, wurden von den öffentlichen Besitzern des Waldes initiiert und finanziert. Auf der Grundlage einer interdisziplinären Untersuchung der Universität Mainz wurde der gesamte Lennebergwald zum Naturschutzgebiet erklärt und ein Pflege- und Entwicklungsplan aufgestellt. Dieser regelt den Schutz, die Baumartenwahl, die Entwicklung der Kiefernheide und die Besucherlenkung. Zum Schutz der Sandflora und -fauna im Ost- und Westteil des Waldes soll der Kiefernhallenwald mit einigen Sträuchern und lichtdurchlässigen Laubbäumen wie Eiche und Kirsche erhalten und entwickelt werden. Der zentralen Bereich des Waldes , dem Schwerpunkt der Erholung, soll diese ausgebaut werden, um den Besucherstrom von den empfindlicheren Bereichen wegzulenken. Hier werden Laubholz-Mischbestände mit Bäumen wie Buche, Eiche, Ahorn, Linde, Kirsche und Elsbeere angepflanzt bzw. entwickelt.

FORSTWIRTSCHAFT
Das Hauptziel der Forstwirtschaft im Lennebergwald ist die Gesunderhaltung und Stabilisierung der empfindlichen Kiefernbestände. Die Kiefer ist - wie kaum eine andere Baumart - von äußeren Gefahren wie Windwurf, Schneebruch und Waldbrand bedroht und wird - oft in deren Folge- von Massenvermehrungen von Schadinsekten wie Borkenkäfer, Prachtkäfer und nadelfressenden Raupen verschiedener Nachtfalter heimgesucht. Der Schüttepilz kann junge Kiefern, die Mistel Kiefern im Alter von etwa 30 Jahren zu Absterben bringen. Trotz des - im Vergleich zu anderen Baumarten geringen Wasserbedarfs, leidet auch die Kiefer in Trockenjahren erheblich, zumal diese besonders "gute Insektenjahre" sind. Zur Stabilisierung der Bestände müssen Durchforstungen, d. h. Auslichtungen in den dicht aurwachsenden jungen Beständen vorgenommen werden. Diese Arbeiten werden von Forstwirten (Waldarbeitern) des Forstamtes Alzey bzw. Lohnunternehmern durchgerührt. Das dabei anfallende Holz wird mit Rückeschleppem an die Waldwege gezogen und an die Holzindustrie verkauft. Die Holznutzung ist im Lennebergwald nicht Ziel der Bewirtschaftung, sondern ein Nebeneffekt, der einen Deckungsbeitrag für die Bewirtschaftungskosten liefert. Bei diesen "klassischen" Forstarbeiten, zu denen auch Pflanzung, Zaun- und Wegebau gehören, muß immer auch die Bedeutung des Waldes für die Erholung der Waldbesucher beachtet werden. Diese führt oft zu Erschwernissen, andererseits werden für die Bevölkerung Erholungseinrichtungen wie Schutzhütten, eine Grillhütte, Bänke und Trimmgeräte aufgebaut und instand gehalten. Zur Information der Waldbesucher dienen Lehrtafeln, ein Walderlebnispfad, zahllose Waldführungen, die Lennebergwald- Ausstellung im "Grünen Haus" und die alljährlich stattfindenden Waldjugendspiele für Schulklassen.